Am Vormittag des 17. Mai 2026 trafen sich etwa 30 Interessierte am Eingang des Königshainer Barockschlosses, um zusammen mit Joachim Mühle auf Schachmanns Spuren rund um Königshain zu wandern.
Gut vorbereitet vom Ortswegewart Andreas Hartmann und bei schönstem Wetter konnte es pünktlich losgehen.
Joachim Mühle führte die Wanderung bestens gerüstet mit Kompetenz und Begeisterung, erzählte, erklärte, unterstrich seine Worte mit Kopien von Landkarten, Gemälden und alten Stichen und brachte eindrücklich die Bedeutung Carl Gottlob Adolf von Schachmanns auch für das heutige Königshain zu Bewusstsein. Mit seinem umfangreichen Wissen über Geschichte und Örtlichkeiten von Königshain vermittelte er aber auch Wissenswertes, was weit darüber hinaus ging.
Obwohl das von den Königshainern damals errichtete Ehrenmal für den „Letzten der Edlen von Schachmann, einem Menschenfreund und Vater seiner Untertanen“ direkt vom Schloss aus durch die Sichtachse erreichbar wäre, begann die Wanderung mit einem kleinen Umweg an Pferdeschwemme und Kräutergarten vorbei. Auf diese Weise kam man an den seltenen Bäumen vorbei, die um diese Zeit im Schlossgarten in voller Blütenpracht stehen.



Nicht weit von dem Ehrenmal entfernt steht ein weiterer Gedenkstein, der auf die Familie Heynitz verweist. Interessanterweise ist dieser Gedenkstein im Hintergrund eines Familienportraits zu sehen. Vielleicht war es künstlerische Freiheit, vielleicht war zu dieser Zeit tatsächlich die Königshainer Kirche wie auf dem Gemälde von diesem Standort aus sichtbar.
Am Schlosskomplex vorbei ging es bei schönstem Sonnenschein mit Blick auf blühende Rapsfelder über einen Wiesenweg zum Steinberg. Mitten in den Feldern steht ein Gedenkstein für den Königshainer Ortsrichter Daniel Flex. 1813 wollte er Napoleons Soldaten dazu bringen, den Holtendorfern die von ihnen requirierten Pferde zurückzugeben – oder die Pferde wenigstens zu bezahlen. Die Soldaten aber machten kurzen Prozess und erschossen ihn. Für seinen Mut und seinen Einsatz für die Nachbargemeinde setzen ihm seine Königshainer dieses Denkmal.



Auf der Kuppe des Steinbergs bei den Resten des Pavillons konnte man sehen, dass im letzten Jahr viele fleißige Helfer einige Sichtachsen wieder freigelegt hatten. Auch das etwas unterhalb liegende Belvedere verdient wieder seinen Namen. Das „Riesengrab“ hatte zwar keinen direkten Zusammenhang zu Schachmann – interessant waren die riesigen Steine und die zugehörige Sage allemal.
Gestärkt mit einem Mittagessen im Garten des „Firstensteins“ begann der zweite Teil der Wanderung. Ein wenig entfernt vom Mühlenweg liegt die ehemalige Schäferei. Schachmann initiierte damals die Kreuzung der einheimischen, robusten Schafe mit Schafen aus anderen Regionen mit langem, weichen Vlies. Die neue Rasse gab beste Wolle, die sich einträglich verkaufen ließ. Kein Wunder, dass die Schäferei damals aus drei ungewöhnlich großen Gebäuden bestand.



Die vorletzte Station der Wanderung war die Königshainer Kirche. Die alten Kirchenbänke sind noch erhalten, sogar die Platznummern und teilweise sogar Namen sind noch lesbar. Weil es Zeiten gab, an denen sonntags der Platz nicht reichte und zweimal Gottesdienst stattfinden musste, gibt es sogar zwei Emporen mit jeweils bis zu drei Reihen Kirchenbänke. Durch den nachträglichen Einbau sind die 1966 freigelegten ursprünglichen Wandmalereien aus dem15. Jahrhundert verdeckt. Der heilige Christopherus ist nur noch zu erahnen. Steigt man die Stufen zur ersten Empore an der Südseite der Kirche hoch, sieht man ein Epitaph aus dem 16. Jahrhundert. Es zeigt Hans Frenzel den Jüngeren, auf dessen Familie auch die angebaute Annenkapelle zurückgeht. Schachmann prägte im 18. Jahrhundert als Mitglied der Herrnhuter Brüder nachhaltig das geistliche Leben der Königshainer Gemeinde.



Wieder am Schloss angelangt, endete die Wanderung mit Kaffee und Kuchen im Schloss-Café. Danach lohnte sich ein Besuch des üppig blühenden Rhododendrongartens.
Begleitet wurde die Wanderung vom MDR, der Samstag und Sonntag für „Unser Dorf hat Wochenende“ in Königshain drehte.
Wir danken unserem Ortswegewart Andreas Hartmann für die sowohl inhaltliche als auch praktische Vorbereitung des Wanderweges.
Für alle Selbstwanderer sei der Schachmann-Weg (erkennbar an dem Schachmann-Scherenschnitt) empfohlen, der durch Königshain führt.


Fotos: Uta Mehdorn

