Buch „Carl Adolph von Schachmann – Ein Europäer in Königshain“

Rezension von Ina Maria Kwiatkowski:

„Carl Adolph von Schachmann – Ein Europäer in Königshain“ ist ein beeindruckendes und äußerst gelungenes Werk, das sich einer außergewöhnlichen Persönlichkeit der Oberlausitzer Geschichte widmet. Der prachtvoll gestaltete Band zeichnet das Leben des aufgeklärten Adligen Carl Adolph von Schachmann (1725–1789) in all seinen Facetten nach und vermittelt zugleich ein lebendiges Bild der europäischen Geisteswelt des 18. Jahrhunderts. Dabei gelingt den Autorinnen und Autoren eine ebenso fundierte wie unterhaltsame Darstellung, die historische Forschung mit anschaulicher Erzählweise verbindet.

Entstanden ist das Buch im Rahmen des Jubiläumsjahres „300 Jahre Schachmann“, begleitet durch zahlreiche Veranstaltungen, eine Vortragsreihe sowie eine Ausstellung des Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbundes. Beteiligt waren Mitglieder des Heimatvereins e.V. ebenso wie renommierte Historikerinnen und Historiker der Region, darunter Ines Haaser, Jasper von Richthofen, Direktor der Görlitzer Sammlungen, sowie der Kunsthistoriker und Kurator Kai Wenzel. Die unterschiedlichen Perspektiven der Mitwirkenden verleihen dem Werk große Vielseitigkeit und machen deutlich, welche Bedeutung Carl Adolph von Schachmann weit über die Grenzen Königshains hinaus besaß.

Schon beim ersten Durchblättern fällt die außergewöhnlich hochwertige Gestaltung des Buches auf. Zahlreiche historische Abbildungen, Karten, Zeichnungen und Fotografien bereichern die Texte und machen die Welt des 18. Jahrhunderts anschaulich erlebbar. Besonders eindrucksvoll sind die Darstellungen des Königshainer Schlosses, der umfangreichen Sammlungen Schachmanns sowie seine eigenen künstlerischen Arbeiten. Denn Schachmann war nicht nur Gelehrter und Sammler, sondern auch ein bemerkenswert talentierter Zeichner und Maler. Viele seiner Skizzen und Zeichnungen sind im Buch abgebildet und vermitteln einen unmittelbaren Eindruck seiner Beobachtungsgabe und seines künstlerischen Könnens.

Im Mittelpunkt steht jedoch vor allem die faszinierende Persönlichkeit Schachmanns selbst. Der Adlige aus der Oberlausitz war ein typischer Vertreter der europäischen Aufklärung – neugierig, wissbegierig und offen für neue Ideen. Er beherrschte mehrere Sprachen, interessierte sich für Wissenschaft, Kunst, Geschichte und Religion und pflegte weitreichende Kontakte innerhalb Europas. Besonders ausführlich widmet sich das Buch seiner außergewöhnlichen Bibliothek im Königshainer Schloss. Mit mehr als 700 Titeln in über 1300 Bänden gehörte sie zu den bedeutenden Privatbibliotheken der Region. Die Beiträge zeigen eindrucksvoll, wie groß Schachmanns Lesebegeisterung war und wie intensiv er sich mit den geistigen Strömungen seiner Zeit auseinandersetzte.

Ein weiterer Schwerpunkt des Buches ist Schachmanns Verhältnis von Glauben und Aufklärung. Als Mitglied der Herrnhuter Brüdergemeine bewegte er sich in einer spannenden Gratwanderung zwischen tiefer Frömmigkeit und aufgeklärtem Denken. Die Autorinnen und Autoren schildern anschaulich, wie Schachmann religiöse Überzeugung und wissenschaftliche Neugier miteinander verband – eine Verbindung, die für viele Menschen seiner Zeit keineswegs selbstverständlich war.

Großen Raum nimmt auch Schachmanns Wirken als moderner Gutsherr ein. Nach den Verwüstungen des Siebenjährigen Krieges baute er seine Wirtschaft neu auf und setzte dabei bemerkenswert fortschrittliche Ideen um. Statt traditioneller Frondienste führte er moderne Dienstleistungsverträge für die Bauern ein – ein Schritt, der seiner Zeit weit voraus war. Ebenso bemerkenswert war sein Interesse an technischen Neuerungen. So ließ er auf seinen Besitzungen bereits früh Blitzschutzanlagen installieren, was im 18. Jahrhundert noch keineswegs selbstverständlich war. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie Schachmann versuchte, wirtschaftliche Vernunft, soziale Verantwortung und Fortschrittsdenken miteinander zu verbinden.

Besonders spannend sind die Kapitel über Schachmann als Reisenden und Diplomaten. Im Auftrag des Protestantismus und der Herrnhuter Brüdergemeine unternahm er zahlreiche Reisen durch Europa. Dabei dienten seine Fahrten nicht nur religiösen und diplomatischen Zwecken, sondern auch der Bildung und wissenschaftlichen Neugier. Zudem führten ihn Gesundheitsreisen in verschiedene Länder. Von überall brachte er neue Eindrücke, Bücher, Karten, Kunstwerke und Objekte für seine Sammlungen mit nach Königshain. Dadurch entstand eine beeindruckende Sammlung von Altertümern, Münzen sowie ethnografischen und archäologischen Zeugnissen aus unterschiedlichsten Teilen der Welt – von Ägypten über das Römische Reich bis nach Südamerika.

Ein besonderes Kapitel widmet sich seiner berühmten Münzsammlung, die als eine der bedeutendsten ihrer Zeit galt. Eindrucksvoll wird geschildert, wie diese Sammlung während verschiedener Kriege quer durch Europa transportiert wurde und erst 2011 nach Deutschland zurückgeholt wurde. Seine Interessen kannten kaum Grenzen – Kunst, Geschichte, Naturwissenschaften und fremde Kulturen standen für ihn gleichberechtigt nebeneinander.

Das Buch entstand begleitend zu einer Vortragsreihe sowie einer Ausstellung des Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbundes. Dieser Hintergrund macht sich positiv bemerkbar: Die einzelnen Beiträge sind abwechslungsreich gestaltet, greifen unterschiedliche Aspekte seines Lebens auf und lassen sich angenehm lesen. Trotz des wissenschaftlichen Anspruchs wirkt das Werk niemals trocken oder überladen. Vielmehr gelingt es den Autorinnen und Autoren, die Persönlichkeit Schachmanns lebendig werden zu lassen und zugleich ein faszinierendes Panorama der Aufklärungszeit zu entwerfen.

Insgesamt ist „Carl Adolph von Schachmann – Ein Europäer in Königshain“ ein außerordentlich gelungenes Buch. Es bietet einen umfassenden Überblick über Leben, Werk und Wirken eines bemerkenswerten Menschen, der in vieler Hinsicht seiner Zeit voraus war. Die Verbindung aus fundierter Forschung, prachtvoller Bebilderung und lebendiger Darstellung macht das Werk sowohl für historisch Interessierte als auch für Liebhaber regionaler Kulturgeschichte zu einer echten Bereicherung. Wer sich für die Geschichte der Oberlausitz, die Epoche der Aufklärung oder außergewöhnliche Persönlichkeiten interessiert, dem sei dieses Buch nachdrücklich empfohlen.

Herausgeber: Königshainer Heimatverein, 2026

194 S., zahlreiche Abbildungen, Preis: 29,90 €
Erhältlich direkt beim Heimatverein, Bestellung per Mail

ISBN 978-3-944104-69-0